18. Juli 2009
Die Süddeutsche Zeitung fragt:
Wir diskutieren ständig über Datenschutz und das Recht auf Privatheit – aber dann gehen wir ins Internet, zu Facebook oder Flickr, und entblößen uns freiwillig. Wie konnte das passieren?
Mich beschäftigt diese Frage auch schon länger, und ich will sie mal mit einem etwas kühnen Vergleich beantworten, und zwar mit der „sexuellen Revolution“:
Seit der Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre wurde ja vieles im sexuellen Bereich enttabuisiert. Erlaubt ist heute fast alles, was zwei erwachsenen Menschen Spaß macht. Gleichzeitig hat aber auch die Sensibilität der Gesellschaft für alle Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung stark zugenommen. Vergewaltigung in der Ehe wird z.B. in Deutschland erst seit 1997 vom Strafrecht erfasst. Ähnlich ist es mit Kindesmissbrauch, auch dort wird viel mehr gesetzlich verfolgt, was früher unter den Tisch gekehrt und tabuisiert wurde. Wir haben eine offene Diskussion über Zwangsheirat und „Ehrenmorde“. Wir behandeln Prostitution fast wie einen normalen Job, verfolgen sie aber scharf, wenn sie mit Zwang und Menschenhandel verbunden ist. Es gibt sicher noch viele andere Beispiele.
Ist es vielleicht auch beim „Datenverkehr“ so, dass wir viel freizügiger geworden sind – und speziell auch von den neuen technischen Möglichkeiten rege Gebrauch machen – aber gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit für alle Formen von Missbrauch zugenommen hat, die durch dieselben technischen Entwicklungen ermöglicht werden? Läuft die gesellschaftliche Entwicklung nicht auf hier darauf hinaus, das vor allem die Selbstbestimmung des Individuums zählt, und nicht irgendwelche Traditionen bestimmen, was „privat“ und was „öffentlich“ ist?
Etwas provokant gesagt: Einem Internetnutzer zu sagen, er könne ja gar nichts gegen die Online-Durchsuchung haben, weil er sein Leben sowieso öffentlich mache, wäre dann ähnlich, wie einer Frau vorzuwerfen, durch „aufreizende Kleidung“ an einer Vergewaltigung selbst schuld zu sein.
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Wir selbst | Mit Tag(s) versehen: Überwachung, Datenschutz, Freizügigkeit, Nacktheit, Privatsphäre, Sex, Wertewandel |
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Verfasst von Bits of Freedom
10. Februar 2008
Heute mal ein etwas anderes Thema, das nicht unbedingt zur großen Politik gehört, sondern mehr zum Familienleben, aber immer wichtiger wird, je mehr Web 2.0-aktive Menschen Eltern werden: Was stellt man über Babys und Kleinkinder ins Netz, so dass es sie nicht das ganze restliche Leben verfolgt? Heute findet sich so manch einer, kaum auf der Welt, schon in einer Web-Fotogalerie wieder (oder auch schon vorher). Und es gibt auch schon Communities wie die MamaCommunity, in der die Kleinen richtig im Mittelpunkt stehen. Andererseits hat man bei einem neuen Menschen auch noch die Chance, manche Datenspuren gar nicht erst entstehen zu lassen.
Ich kenne relativ viele Blogger und Bloggerinnen, die damit verantwortungsvoll umgehen, so z.B. Pixeljunkie, der gewisse Bilder und Videos bewusst nicht online stellt. Auch einige amerikanische Blogger nennen gar nicht die Namen ihrer Kinder auf ihrem Blog, sondern bezeichnen sie nur als Loyette oder Insta-Daughter, damit sie nicht schon in ganz jungen Jahren in Google erscheinen. Und dann gibt es natürlich noch viele, die gar nicht über das Thema bloggen. Ich habe aber auch schon einige Negativbeispiele gesehen, auf die ich jetzt bewusst nicht linke.
Falls hier irgendwelche BloggerInnen mitlesen, die gerade Eltern geworden sind oder bald werden: Habt Ihr Euch über dieses Thema schon einmal Gedanken gemacht? Was stellt Ihr über Euren Nachwuchs ins Netz, was nicht?
Falls hier JuristInnen mitlesen: Welche Persönlichkeits- und Datenschutzrechte haben Kinder gegenüber ihren eigenen Eltern? Die meisten Eltern dürften schon aus Sorge um die Sicherheit ihrer Kleinen „datensparsam“ sein, aber trotzdem eine interessante Frage…
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Wir selbst |
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Verfasst von Bits of Freedom
1. Februar 2008
Spickmich.de war wohl erst der Anfang – jetzt gibt es auch Websites mit Noten für Ärzte. Und ähnlich wie bei der Lehrerbewertung hagelt es auch gleich Klagen der Betroffenen. Ich selbst wollte schon über die Äußerungen der bayerischen Datenschützer zu Spickmich lästern, sehe die Sache jetzt aber nicht mehr ganz so eindeutig. Gibt es einen Unterschied zwischen Meinungen und in Zahlen ausdrückbaren Bewertungen? Die Diskussion ist bei Indiskretion Ehrensache in voller Länge nachzulesen.
Ergänzung: Mein Vater ist von der ganzen Sache auch betroffen (in der Hochschullehrer-Variante), sieht es aber sehr gelassen.
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Verfasst von Bits of Freedom