ACAP

2. Dezember 2009

Die Abkürzung passt sehr gut zum letzten Artikel, aber diesmal geht es um einen technischen Standard, mit dem man die Indizierung von Web-Inhalten durch Suchmaschinen kontrollieren kann, und zwar wesentlich genauer als mit der guten, alten robots.txt. Ars Technica und Carta haben lesenswerte Artikel über die Versuche der großen Zeitungsverlage, diesen Standard durchzusetzen, da sie sich ja schon eine ganze Weile von Google ausgenutzt fühlen.
Selbst wenn die Suchmaschinen gezwungen werden, ACAP zu unterstützen, kann man sie nicht dazu zwingen, Treffer in ACAP-geschützten Seiten gleich zu behandeln wie andere Treffer. Als Suchmaschine würde ich eine Webseite, deren Inhalte möglicherweise auf der Ebene einzelner Absätze mit Verwendungsbeschränkungen versehen wurden, im Ranking niedriger bewerten als eine Seite, die komplett zugänglich ist (oder eben über robots.txt komplett gesperrt). Schließlich kann ich in ersterem Fall weniger gut garantieren, dass die Gesamtseite bezüglich des Suchbegriffs relevant ist.


Illegale Downloader sind die besseren Kunden

1. November 2009

Wer illegal Musik aus dem Internet herunterlädt, gibt nach einer Studie des britischen Forschungsinstituts Demos trotzdem noch pro Jahr 75% mehr Geld für Musik aus als die komplett gesetzestreuen Nutzer. Eigentlich sind „Raubkopierer“ also die besten Kunden, und viele Maßnahmen, um sie abzuschrecken, dürften mehr wirtschaftlichen Schaden anrichten als die illegalen Downloads selbst.


Wolfram Alpha: Copyright auf Anfrageergebnisse

1. August 2009

Ein hochinteressanter Artikel darüber, wie die Macher der „Wissensmaschine“ Wolfram Alpha versuchen, automatisch erzeugte Anfrageergebnisse zu urheberrechtlich geschützten Werken zu machen. Wenn man diese Position zu Ende denkt, kann jeder Hersteller einer nicht trivialen Software das Urheberrecht auf alles beanspruchen, was mit dieser Software erstellt wurde. Zum Beispiel würden auch die Beiträge in diesem Blog nicht mir gehören, sondern WordPress, meinem Internetprovider, oder dem Hersteller des Browsers.


„Der Kampfbegriff Geistiges Eigentum ist falsch“

19. Juli 2009

Ein sehenswertes Interview mit dem Urheberrechtsexperten Thomas Hoeren beim Elektrischen Reporter.


Amazon: Löscht rechtmäßig erworbene Bücher von Deinem E-Book-Reader

17. Juli 2009

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit, richtige Buchhandlungen aufzusuchen, oder zumindest andere Online-Buchhändler. Amazon ist wohl zu groß und einflussreich, und macht sich nämlich weiter kräftig unbeliebt (wir berichteten ja schon mal), indem es per Fernsteuerung rechtmäßig erworbene Bücher von den Lesegeräten seiner Kunden löscht.

Ironischerweise handelt es sich um „1984″ und „Animal Farm“ von George Orwell. Der amerikanische Verleger dieser Bücher hat sich wohl spontan entschlossen, die E-Book-Ausgabe wieder vom Markt zu nehmen. Wir erinnern uns, das in „1984″ der „Große Bruder“ auch regelmäßig die Geschichte fälscht, indem er alle Dokumente vernichten lässt, die an bestimmte Personen oder Ereignisse erinnern.

Apple hat bei iPhone-Anwendungen übrigens auch diese Möglichkeit, hat aber noch nie davon Gebrauch gemacht. Trotzdem ein Grund, auch um dieses Gerät einen großen Bogen zu machen!

Ergänzung 1: Die Situation war wohl folgende: Der ursprüngliche Verkäufer auf Amazons Marktplatz hatte nicht die Rechte an den Büchern, verkaufte also praktisch Raubkopien. Aber das ändert nichts an meiner Bewertung des Vorgangs. Selbst wenn ich auf einem Flohmarkt ein Buch kaufe, das Hehlerware ist, darf der Flohmarktveranstalter nicht bei mir zu Hause einbrechen und mir das Buch wieder wegnehmen. Das darf höchstens die Polizei, und auch die nur im Rahmen einer Hausdurchsuchung mit richterlicher Genehmigung, bei der ein Zeuge anwesend sein muss. Und das gilt erst recht, wenn das Buch nicht physisch geklaut wurde, sondern ein Raubdruck ist.

Ergänzung 2: Das Copyright auf die Bücher Orwells ist in einigen Ländern schon abgelaufen, z.B. in Australien, während es in den USA und in der EU noch gilt. Mir sind australische Webseiten bekannt, bei denen man sich die Bücher kostenlos herunterladen kann. Aber wenn ich sie hier verlinke, riskiere ich eine Abmahnung. Immer die gleiche Misere.


Verzerrte Berichterstattung über die Piratenpartei

8. Juni 2009

Aufbauend auf einer dpa-Meldung und mal wieder ohne jede eigene Recherche veröffentlichen diverse Zeitungen haarsträubenden Unsinn über die Piratenpartei. Wie toll, dass wir unsere unabhängigen, redaktionell geprüften Qualitätsprintmedien haben!

Update: Es kommen jetzt auch ein paar gute Artikel rein, z.B. in der ZEIT.


Der Journalismus der Zukunft?

7. Juni 2009

Ich habe das Thema Copyright/geistiges Eigentum in letzter Zeit nicht so intensiv bearbeitet, deshalb möchte ich jetzt auf diesen höchst interessanten Artikel bei Netzwertig hinweisen, der klar zeigt, warum es nicht funktioniert, für Zeitungsartikel im Netz Geld zu verlangen. Über die Kommentare bin ich dann auf das amerikanische Projekt spot.us aufmerksam geworden, das einen interessanten Ansatz verfolgt.

Bei spot.us können Bürger Themen vorschlagen, und für Themen spenden. Wenn genügend Spenden für ein Thema zusammengekommen sind, wird die Recherche eines Journalisten damit bezahlt. Journalisten schlagen ihrerseits Themen vor, die sie gerne recherchieren würden, geben einen Preis an, und können sich natürlich auch auf die Vorschläge der Bürger beziehen. Die produzierten Inhalte werden früher oder später unter Creative-Commons-Lizenz gestellt. Andere Medien können allerdings auch für ein Thema bezahlen und bekommen dann ein zeitlich beschränktes Exklusivrecht, die Inhalte zu veröffentlichen, wenn sie über 50% spenden. Ansonsten darf aber keine einzelne Person oder Organisation mehr als 20% eines Artikels bezahlen.

Das Modell ähnelt Geschäftsmodellen rund um Open-Source-Software: Die Software selbst ist kostenlos und darf frei weiterverbreitet werden, bezahlt wird für individuelle Spezialentwicklungen und Anpassungen.

Es bestehen natürlich noch offene Fragen bei einem solchen System: Kann es durch Interessengruppen missbraucht werden, um Journalismus in ihrem Sinne zu produzieren? Wie findet man einen angemessenen Preis für eine Story, bei der der Rechercheaufwand sich vorher schlecht schätzen lässt? Werden die Leser ein dauerhaftes Interesse mitbringen, für Beiträge zu bezahlen, die sie möglicherweise erst Monate später lesen können?

spot.us konzentriert sich im Moment noch auf lokale Themen im Großraum San Francisco. Auf lokaler Ebene ist das Zeitungssterben in den USA aber auch am schlimmsten und der Bedarf nach neuen Formen des Journalismus am größten.


Noch eine unterzeichnenswerte Petition

17. Mai 2009

Abschaffung des Verbots zur Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen (§ 95a UrhG)

Das Verbot von Hard- und Software zur Umgehung von Kopierschutzmaßnehmen wurde mit der Verschärfung des Urheberrechts 2003 eingeführt, und dient vor allem dazu, Kunden zu kriminalisieren, die rechtmäßig gekaufte digitale Inhalte (Musik, Filme, Bücher) auf Endgeräten ihrer Wahl genießen wollen. Es hat entschlossene, gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzer nie aufgehalten, und im Musikbereich ist es ohnehin weitgehend überflüssig geworden, da die Musikindustrie mittlerweile eingesehen hat, dass die Kundengängelung durch kopiergeschützte CDs und DRM die Umsätze nicht steigert.


Amazons DRM-verseuchter E-Book-Reader

14. Mai 2009

Update zum Streit um Amazons Kindle: Die Vorlesefunktion lässt sich per Fernsteuerung abschalten. Nun wird spekuliert, ob es noch weitere geheime Schalter gibt, mit denen Verleger z.B. erreichen könnten, dass man ein Buch nur einmal lesen oder nicht zurückblättern kann. Die Verlage wollen wohl unbedingt die „Erfolgsgeschichte“ der Musikindustrie mit DRM wiederholen.


Copyrightmafia kauft sich ein Pirate-Bay-Urteil

23. April 2009

Auf diese Schlagzeile habe ich letzte Woche noch verzichtet, weil sie mir zu spekulativ und verschwörungstheoretisch war. Jetzt stellt sich heraus, dass einer der beteiligten Richter Mitglied einer Urheberrechts-Lobbyorganisation ist. In derselben Organisation waren auch Interessenvertreter der Musikindustrie aktiv, die als Kläger im Verfahren auftraten.