Aufbauend auf einer dpa-Meldung und mal wieder ohne jede eigene Recherche veröffentlichen diverse Zeitungen haarsträubenden Unsinn über die Piratenpartei. Wie toll, dass wir unsere unabhängigen, redaktionell geprüften Qualitätsprintmedien haben!
Update: Es kommen jetzt auch ein paar gute Artikel rein, z.B. in der ZEIT.
Ich habe das Thema Copyright/geistiges Eigentum in letzter Zeit nicht so intensiv bearbeitet, deshalb möchte ich jetzt auf diesen höchst interessanten Artikel bei Netzwertig hinweisen, der klar zeigt, warum es nicht funktioniert, für Zeitungsartikel im Netz Geld zu verlangen. Über die Kommentare bin ich dann auf das amerikanische Projekt spot.us aufmerksam geworden, das einen interessanten Ansatz verfolgt.
Bei spot.us können Bürger Themen vorschlagen, und für Themen spenden. Wenn genügend Spenden für ein Thema zusammengekommen sind, wird die Recherche eines Journalisten damit bezahlt. Journalisten schlagen ihrerseits Themen vor, die sie gerne recherchieren würden, geben einen Preis an, und können sich natürlich auch auf die Vorschläge der Bürger beziehen. Die produzierten Inhalte werden früher oder später unter Creative-Commons-Lizenz gestellt. Andere Medien können allerdings auch für ein Thema bezahlen und bekommen dann ein zeitlich beschränktes Exklusivrecht, die Inhalte zu veröffentlichen, wenn sie über 50% spenden. Ansonsten darf aber keine einzelne Person oder Organisation mehr als 20% eines Artikels bezahlen.
Das Modell ähnelt Geschäftsmodellen rund um Open-Source-Software: Die Software selbst ist kostenlos und darf frei weiterverbreitet werden, bezahlt wird für individuelle Spezialentwicklungen und Anpassungen.
Es bestehen natürlich noch offene Fragen bei einem solchen System: Kann es durch Interessengruppen missbraucht werden, um Journalismus in ihrem Sinne zu produzieren? Wie findet man einen angemessenen Preis für eine Story, bei der der Rechercheaufwand sich vorher schlecht schätzen lässt? Werden die Leser ein dauerhaftes Interesse mitbringen, für Beiträge zu bezahlen, die sie möglicherweise erst Monate später lesen können?
spot.us konzentriert sich im Moment noch auf lokale Themen im Großraum San Francisco. Auf lokaler Ebene ist das Zeitungssterben in den USA aber auch am schlimmsten und der Bedarf nach neuen Formen des Journalismus am größten.
Ich selbst spiele seit 10 Jahre kaum noch Spiele (das letzte, das ich in nennenswertem Umfang gespielt habe, war Half-Life), aber ich halte es für eine unerträgliche Bevormundung, Erwachsenen zu verbieten, in Computerspielen abzuschalten, dem Alltag zu entfliehen, Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die man im realen Leben nie tun könnte oder dürfte; selbst wenn Töten und Sterben dazugehören. Schon immer haben Menschen in der Kunst, im Sport und in der Unterhaltung Wege gefunden, Aggression und Gewalt spielerisch auszuleben. Auch das Argument, dass Computerspiele die Gewalt sehr realitätsnah darstellen, zählt meiner Meinung nach nicht, da wir uns in der Geschichte unseres Medienkonsums auch an immer größere Realitätsnähe gewöhnen (was wurde nicht schon in vergangegenen Jahrhunderten vor den verderblichen Einflüssen von Romanen, Kino usw. gewarnt?)
Die vorhandene Gesetzgebung reicht völlig aus, wenn sie konsequent umgesetzt werden würde (gegen Testkäufe durch Jugendliche hätte ich z.B. überhaupt nichts)
Eine Ankündigung in eigener Sache: Ich nehme jetzt http://gefaehrderblog.wordpress.com vom Netz. Wer es noch nicht getan hat, sollte jetzt also seine Links, Lesezeichen und RSS-Feeds auf diese Seite umstellen!
Wie entschlossen einige Politiker sind, die geplanten Internetsperren auf andere Inhalte als Kinderpornographie auszudehnen, sieht man am besten an den vielsagenden Dementis, wie z.B. von Wolfgang Bosbach (stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion):
Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät.
(Hervorhebung von mir)
Wenn das Gesetz erst mal durch ist, wird sich sicher auch Schäuble zu Wort melden und das Gleiche fordern, er hat sich ja in den letzten Monaten in der ganzen Debatte ziemlich zurückgehalten.
Gleichzeitig stellt sich immer mehr heraus, dass das BKA krachend unfähig ist, illegale Inhalte auf ausländischen Servern zügig vom Netz nehmen zu lassen. Während Banken durch eine gut eingespielte internationale Zusammenarbeit Phishing-Websites innerhalb von 4 Stunden offline bekommen, dauert es bei Kinderpornographie im Schnitt 30 Tage, wie eine Studie der Universität Cambridge zeigt.
Ihr habt es sicher schon mitbekommen: Die Liberalen haben zur Zeit ein etwas gestörtes Verhältnis zur Presse- und Meinungsfreiheit, seit sich gewisse Widersprüche zwischen den behaupteten und den offiziellen Anwesenheitszeiten ihrer Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin im Europaparlament aufgetan haben. Sehr schön nachzulesen bei den Ruhrbaronen.
Du siehst dir gerade das Bits of Freedom Blog-Archiv für Juni 2009 an.
Important Note
You're looking for the dutch civil rights organisation with the same name? Here it is!
There's also a campaign for open document formats by the FSF Europe called Freedom Bits that we strongly support.