Die Lauschaffäre Traube (1975-1977)

Das Ausmaß von gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich langsam und schleichend vollziehen, bemerkt man erst, wenn man weit genug zurückschaut, ungefähr so wie beim Klimawandel, wenn man ein altes Foto ein Gletschers betrachtet, auf dem dieser viele Kilometer länger ist. Ich habe gerade in diesem Artikel über das BKA-Gesetz in der ZEIT (der auch sehr lesenswert ist) von der Lauschaffäre Traube erfahren. Klaus Traube war ein angesehener Atomphysiker und spielte eine wichtige Rolle bei Entwicklung und Bau des schnellen Brüters in Kalkar. Ab 1975 wurde er dann aufgrund vermuteter Kontakte zur RAF unter Rundumüberwachung gestellt, einschließlich einer akustischen Wohnraumüberwachung, die von keinem Richter genehmigt wurde. Der damalige Bundesinnenminister, Werner Maihofer, begründete die Maßnahmen mit dem hohen Gefahrenpotential aufgrund von Traubes Zugang zu Atomanlagen und seinem Fachwissen in Atomtechnologie (Anmerkung: Der RAF zu unterstellen, Atomkraftwerke in die Luft sprengen zu wollen, kommt einem aus heutiger Sicht auch ziemlich absurd vor)

Als der SPIEGEL 1977 die Lauschaktion aufdeckte, war die öffentliche Empörung aber so groß, dass sie zum Rücktritt Maihofers Anfang 1978 beitrug. Heute wird ein Berliner Soziologe (Andrej Holm) ähnlich intensiv ausspioniert, ebenfalls wegen vermuteter Kontakte zu einer „terroristischen Vereinigung“, die aber in wesentlich geringerem Umfang Straftaten begangen hat, und niemand regt sich groß darüber auf, außer vielleicht die Linkspartei und einige Bürgerrechtsgruppen.

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