Google: Schlimmer als jeder Geheimdienst?

8. Februar 2010

Das meint zumindest Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Das sehe ich nicht so. Jeder kann selbst bestimmen, wie viele Daten er Google preisgibt. Ich habe ab sofort z.B. Ixquick in der Bookmarks-Toolbar. Diese Suchmaschine befragt für ihre Ergebnisse Yahoo, Bing & Co. und speichert nach eigenen Angaben keine IP-Adressen ihrer User. Auch auf Google Mail verzichte ich fast vollständig.

Der Vorratsdatenspeicherung hingegen kann sich niemand entziehen, und nicht nur deshalb kommt der Verdacht auf, dass es neben berechtiger Kritik von Politikern an den Datenschutzpraktiken von Unternehmen öfters auch hysterische Angriffe gibt, die ein reines Ablenkungsmanöver sind.


Piraten wirken (Teil 2)

7. Februar 2010

Noch viel besser als ein WLAN in Bad Homburg: Schweden weigert sich immer noch, die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung umzusetzen und muss mittlerweile deshalb auch Sanktionen befürchten. Die schwedische Piratenpartei erreichte bei der Europawahl letztes Jahr 7,4 Prozent.


Datenbrief

6. Februar 2010

Der CCC hat sein Konzept des “Datenbriefs” näher erläutert. Jede Firma, Behörde oder sonstige Organisation, die personenbezogenen Daten erhebt, soll dazu verpflichtet werden, mindestens einmal im Jahr einen solchen Brief zu verschicken, in dem – ähnlich wie in einem Kontoauszug – aufgeführt ist, welche Daten gespeichert wurden und welche an andere Stellen weitergegeben wurden.


Wenig überraschend

6. Februar 2010

Der Direktor des FBI möchte, dass Internetprovider speichern, welche Webseiten ihre Kunden besucht haben. Das ist in Deutschland noch nicht Gegenstand der Vorratsdatenspeicherung. Aber es zeigt, wohin die Reise geht, wenn man überwachungsstaatlichen Maßnahmen zustimmt. Es gibt für die Politiker, die den Überwachungsstaat ausbauen, kein „genug“ oder ein für die innere Sicherheit „ausreichendes“ Maß an Überwachung. Wenn einmal die nötige Speicherkapazität vorhanden ist, und die Spracherkennung zuverlässig funktioniert, wird es mit Sicherheit auch Forderungen von Politikern geben, den Inhalt von Telefongesprächen für mehrere Jahre zu speichern.


Privatsphäre schützen im Webbrowser (Teil 3)

5. Februar 2010

Das Löschen der Browser-Chronik hilft nicht nur gegen neugierige Menschen, die den gleichen Rechner benutzen, sondern auch gegen einen weiteren Trick, mit dem Webseiten ihre Besucher identifizieren können. Schon seit Jahren haben alle bekannten Browser eine Sicherheitslücke, die schwer zu beseitigen ist, weil sie ein Teil von CSS ist. Bereits besuchte Links können per CSS in einer anderen Farbe dargestellt werden, und gleichzeitig kann man per Javascript die Farbe eines Links auslesen. Auf diese Weise kann eine Webseite feststellen, ob der Besucher bestimmte andere Webseiten bereits besucht hat – demonstriert wird das ganze z.B. hier. Die EFF demonstrierte jetzt, das sich auf diese Weise auch Mitglieder eines sozialen Netzwerks deanonymisieren lassen, und zwar über die Gruppen, in denen sie Mitglied sind.

Ich frage mich übrigens gerade, wann das BKA bei seinen Homepage-Besuchern diese Technik benutzen wird, hat es in der Vergangenheit doch eine erhebliche Neugier bewiesen.


Leben im Netz

4. Februar 2010

Der gestrige 3sat-Themenabend bestand aus 30 Sekunden Erklärung, wie Twitter funktioniert, und 30 Minuten Bravo-TV über die “Generation Porno”. Wahrscheinlich hatten die Menschen vor dem Internet überhaupt keinen Sex vor der Ehe! Nur das Flatrate-Saufen haben sie weggelassen, aber daran ist vermutlich auch das Internet schuld.

Ich will aber nicht zu unfair sein, denn am Anfang war auch Sven Jansen – ein Freiburger Blogger – zu sehen, und relativ ausführliche Berichte über Andrej Holm und Hossein Derakshan.

Und heute geht es noch weiter.


Piraten wirken

31. Januar 2010

Haha:

Die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) befürwortet übrigens die Einrichtung mehrerer Hot Spots in der Stadt auch aus einem politischen Grund. “Wir wollen nicht, dass sich die Piratenpartei hier ausbreitet”, sagte Fraktionsvorsitzender Armin Johnert in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Deshalb sollte deren Forderung nach kostenlosen Internetzugängen von den anderen Parteien aufgegriffen werden. Die Piratenpartei steht kurz vor der Gründung eines Kreisverbandes im Hochtaunuskreis.


Noch ein Tipp zur Privatsphäre beim Surfen

30. Januar 2010

Falls man Firefox benutzt, das Add-On BetterPrivacy installieren und staunen, wie viele Flash-Cookies („Local Shared Objects“) gespeichert werden. Ich hatte Flash-Cookies von über 100 Websites auf dem Rechner, auch solchen, die ich vor Monaten besucht hatte und die längst nicht mehr in meiner History waren. Diese Cookies und auch die sogenannten DOM-Storage-Objekte, die von den neuestem Webbrowsern unterstützt werden, werden von der normalen Cookie-Entfernungsfunktion nicht erfasst.


Identifizierung von Website-Besuchern über ihren Browser

30. Januar 2010

Ich habe mich schon öfters gefragt, ob man Website-Besucher, die ihre IP-Adresse anonymisieren und Cookies abgeschaltet haben, trotzdem noch über die vielen anderen Informationen identifizieren kann, die ein Webbrowser so an den Server sendet – vom User-Agent über die installierten Plugins bis zur Bildschirmauflösung – und die auf kaum zwei Rechnern absolut gleich sind. Die EFF hat jetzt tatsächlich mal damit experimentiert. Hier kann man testen, wie einzigartig der eigene Browser ist. Ich habe es auf zwei Rechner ausprobiert, und hatte beide Male eine einzigartige Konfiguration.

Und was sich eindeutig ist, lässt sich leicht eindeutig machen, wenn der User seine IP-Adresse nicht total verschleiert, sondern sich lediglich neu einwählt, um z.B. in einem Forum unter einem zweiten Benutzernamen schreiben zu können. Dann bleiben die ersten Bits der IP-Adresse gleich.

Gegenmaßnahmen gegen diese Art des Trackings: JavaScript abschalten oder zumindest den User-Agent auf einen nichtssagenderen Wert ändern (das geht bei Firefox z.B. mit dem Add-On User Agent Switcher). Sehr schlecht identifizierbar sollen auch die Browser auf Smartphones sein, weil sich die Schriftarten und installierten Plugins dort von Gerät zu Gerät kaum unterscheiden.


Apples Angriff auf den offenen Computer

29. Januar 2010

Da gerade alle darüber bloggen, auch hier kurz was zum iPad: Es ist im Gegensatz zum iPod oder iPhone kein reines Mobilgerät mehr, sondern kann einen „richtigen“ PC ersetzen, wenn man nur surfen, E-Mails schreiben, Multimedia-Inhalte konsumieren und ab und zu ein kurzes Office-Dokument verfassen möchte (die einzige noch offene Frage: kann man irgendwie auf einen Drucker zugreifen?). Der wesentliche Unterschied zu einem vollwertigen Rechner ist aber, dass sämtliche installierte Software von Apple kontrolliert wird. Neue Programme kann man nur über den App Store installieren, und als Entwickler muss man bei Apple registriert sein, um sein Werk überhaupt auf dem Gerät ausführen zu können. Und Apple nutzt diese Regelung auch, um unliebsame Konkurrenz zu blockieren, z.B. wird es wohl nie Flash auf dem iPad geben, weil man damit über das Web Musik und Filme beziehen könnte, ohne den iTunes Store zu besuchen. Apple wird wahrscheinlich auch beim iPad die Möglichkeit haben, unliebsame Anwendungen per Fernsteuerung zu löschen, auch wenn sie schlau genug sein werden, davon erst mal nicht Gebrauch zu machen.

Solche geschlossenen Plattformen sind langfristig eine Gefahr für den Wettbewerb und die Entwicklung neuartiger Programme und Dienste. Wie sähe das Internet heute aus, wenn es in den 90er Jahren ein „AOLPad“ gegeben hätte, das unter der Kontrolle von AOL gestanden hätte? Hätte z.B. jemals so etwas wie Skype Verbreitung gefunden, wenn auf sämtlichen Endgeräten die Telekommunikationsanbieter ein Wort mitgeredet hätten? Apple nutzt seine marktbeherrschende Stellung bei der Hardware, um konkurrierende Plattformen für die Verbreitung digitaler Inhalte zu blockieren. Microsoft ist in Vergangenheit für ein sehr viel weniger wettbewerbswidriges Verhalten mit Kartellverfahren überzogen worden und musste zahlreiche technische Standards offen legen. Es gab Ende 2007 auch schon ein solches Verfahren der EU-Kommission gegen Apple, dieses wurde aber unverständlicherweise eingestellt, bevor z.B. die zwangsweise Verknüpfung von iTunes Store und iPod überhaupt behandelt wurde.

Update: Noch ein schöner Artikel von Till Westermayer zum gleichen Thema,mit einem Link zur „Defective by Design“-Petition der Free Software Foundation.